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Der Film in den 1920er Jahre

Das Cabinet des Dr. Caligari

Das Cabinet des Dr. Caligari (1920 - Robert Wien) Quelle: murnau-stiftung.de

Erst in den frühen 1920er Jahren wurde das Medium Film als eigene Kunstgattung anerkannt.
Das lag vor allem daran, dass die Filme länger und somit zu einem abendfüllendem, kulturellem Ereigniss wurden. Nach und nach begannen sie den Theatern Konkurrenz zu machen. Zeitungen schickten ihre eigenen Filmkritiker in die Kinos und selbst Schriftsteller wie Kurt Tucholsky verfassten eigene Filmkritiken. Zu Beginn der 1920er Jahre hatte sich auch der wichtigste Ort der Filmgeschichte etabliert: Die amerikanische Filmindustrie, die ursprünglich in New York gesessen hatte, war nach Hollywood gezogen, und es gründeten sich nach und nach die großen Filmstudios: Metro-Goldwyn-Mayer, Fox, Paramount, Warner Brother, United Artists. Die ersten Filmstars wurden international bekannt: Charlie Chaplin, Mary Pickford, Lilian Gish, Douglas Fairbanks, um nur einige zu nennen.

Bevor im Jahr 1927 der Tonfilm eingeführt wurde, beherrschte der Stummfilm in schwarz-weiß die Leinwände. Diese Ton-Losigkeit hatte seine Auswirkungen auch auf die Schauspielkunst. Mimik, Gestik und Bewegung im Stummfilm erscheinen und aus heutiger Sicht oft übertrieben. Aber durch die Übersteigerung der Gesten, war der Stummfilm auch ohne Text international verständlich und einsetzbar. Die Arbeit in schwarz-weiß führte zu einer Perfektionierung der Arbeit mit Licht und Schatten. Was den vielen Grusel- und Horrorfilmen der Zeit zu Gute kam. Der höhepunkt der expressionistischen Filmkunst in Deutschland war Das Cabinet des Dr. Caligari (Rober Wiene 1919/20). Metropolis von Fritz Lang (1925/27) am Ausgang dieser Epoche gilt als Klassiker der expressionistischen Filmkunst mit mythischen Zügen eines Monumentalfilms und kühnen Spezialeffekten.

Die ›Weimarer Phantastik‹ wird definiert durch Robert Wienes Das Cabinet des Dr. Caligari (1920) und Friedrich Wilhelm Murnaus Dracula-Adaption Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens (1922). Im Gegensatz zu den zeitgenössischen Psychodramen als Vorläufer des heutigen Dark Dramas sind diese beiden Filme Urväter des Horrorfilms, weil sich hier Schrecken und Tod bereits in physischen Monstern manifestieren und auch physisch bekämpft werden müssen. Der Schlafwandler in Caligari oder der Vampir in Nosferatu stehen selbst im Zentrum der Erzählung und sind nicht mehr nur Motiventlehnung zur Illustration von Wahnsinn. Caligari kann dabei noch als eine Art Brückenfilm verstanden werden kann, da er am Ende den Schrecken doch nur als krankhafte Einbildung des Protagonisten deklariert. Dennoch liegt auch hier der Hauptfokus der Erzählung auf Horror und Thrill durch den mordenden Schlafwandler und den dämonischen Zirkusdoktor.

Mitte der 1920er Jahre begannen sich die Regisseure dann mehr für das Alltagsleben zu interessieren und die neue Sachlichkeit wurde zum Schlagwort.

Ein großartiges Beispiel für einen neusachlichen Film ist das Dokumentarwerk Berlin, Sinfonie einer Großstadt (Walter Ruttmann 1927). In der Sowjetunion brachten zwei Regisseure die Kunst der Montage zur Vollendung: Sergej M. Eisenstein mit Panzerkreuzer Potemkin (1925) und Wsewolod I. Pudowkin mit ;Sturm über Asien; (1928). In den USA schafften verschiedene Filmgenres mit Meisterwerken den Durchbruch: Der Monumentalfilm: Die Zehn Gebote (Cecil B. De Mille 1923), der Zeichentrickfilm: Steamboat Willie (Walt Disney 1928 - einer der ersten Auftritte von Micky Maus!). Und last but not least: Einige der größten Filmkomiker überhaupt haben in den 1920er Jahren abendfüllende Werke geschaffen: Charlie Chaplin:Goldrausch (1925), Buster Keaton: Der General (1928), Harold Lloyd: Safety Last (1923).

In die 1920er Jahre fällt die vielleicht wichtigste Innovation der Filmgeschichte: die Einführung des Tonfilms. Der erste Tonfilm hieß Der Jazzsänger (Alan Crosland). Er kam am 6. Oktober 1922 in die amerikanischen Kinos. Auf der Leinwand wurden zum ersten mal sprechende und singende Schauspieler gezeigt. Im Grunde war Der Jazzsänger (Hauptrolle: Al Jolson) ein Musikfilm. Damit war ein neues Filmgenre geboren.

Metropolis

Metropolis (1925/27 - Fritz Lang) Quelle: metropolis1927.com

Stummfilm

  • 1920
    • Das Cabinet des Dr. Caligari
    • Der Golem, wie er in die Welt kam
  • 1921
    • Das indische Grabmal
    • Der Scheich
    • The Kid
  • 1922
    • Nosferatu - eine Symphonie des Grauens
    • Dr. Mabuse
    • Der Spieler (Teil 1 und2)
  • 1923
    • Ausgerechnet Wolkenkratzen!
    • Die Zehn Gebote
  • 1924
    • Der Dieb von Bagdad
    • Die Nibelungen
    • Das Wachsfigurenkabinett
  • 1925
    • Goldrausch
    • Ben Hur
  • 1926
    • Faust - eine deutsche Volkssage
    • Der General
  • 1927
    • Der Mieter
    • Metropolis
    • Dämon Weib
  • 1928
    • Der Zirkus
    • Steamboat Bill jr.
  • 1929
    • Menschen am Sonntag
    • Ein andalusischer Hund
    • Frau im Mond

Tonfilm

  • 1927
    • Der Jazzsänger
    • Sonnenaufgang - Lied von zwei Menschen
  • 1928
    • Steamboat Willie
  • 1929
    • Erpressung
    • Der Mann mit der Kamera
© Stephanie Apel, Mediengestalterin Digital und Print, medien colleg rostock 2015